Personalisierte Medizin – eine Einführung

Pillen und DNS-Strang

Der heutige Blogbeitrag thematisiert die Gründe, warum personalisierte Medizin, vor allem in Hinblick auf die Krebstherapie, wichtig ist.

Das Ziel

Die personalisierte Medizin hat zum Ziel, das traditionelle „one-fits-all“ Modell in zielgerichtete Therapien umzuwandeln.1 Hierfür werden mit Hilfe moderner Diagnostik individuelle, genetische Informationen verwendet, um für den richtigen Patienten, zur richtigen Zeit, das richtige Medikament, in der richtigen Dosierung zu finden.2

"One-fits-all" Modell versus personalisierte Therapie

Die Problematik

Jedes Jahr sterben 25.000 – 58.000 Menschen an den Folgen von Neben- bzw. Wechselwirkungen von Medikamenten,3 etwa 30.000 sterben aufgrund falscher Medikamente.4

Medikamente ohne Evidenzbasis

Ein Grund hierfür ist, dass ein Drittel aller Medikamente ohne Evidenzbasis verschrieben werden, das heißt, ohne wissenschaftlichen Nachweis für deren Nutzen3.  

Dies wird auch in der Krebstherapie deutlich. Von den 68 Krebsmedikamenten, die zwischen 2009 und 2013 zugelassen wurden, waren 57% ohne wirklichen wissenschaftlichen Beleg darüber, ob diese Medikamente Überlebensvorteile oder eine Verbesserung der Lebensqualität bringen.5 Nach fünf Jahren auf dem Markt hat sich gezeigt, dass sich tatsächlich nur bei 51% therapeutische Vorteile ergaben.5

Menschen reagieren unterschiedlich auf Medikamente

DNS auf Pillen

Ein weiterer Grund ist, dass Menschen unterschiedlich auf Medikamente reagieren. „Es gibt sieben Milliarden Menschen. Jeder von ihnen reagiert anders auf ein Medikament“ so Dr. Josef Scheiber, Geschäftsführer und Gründer der BioVariance GmbH. Diese Tatsache wird bereits seit den 1950er verstanden.6 Heute ist bekannt, dass ein erheblicher Anteil genetisch determiniert ist.1 Lebewesen verstoffwechseln Fremdstoffe über ein komplexes Enzymsystem, dass von Individuum zu Individuum unterschiedlich ist.7

Ineffektivität bei der Therapie

Patienten lassen sich somit grob in zwei Gruppen einteilen: in sogenannte „Responder“, bei denen ein bestimmtes Medikament hilft, und in sogenannte „Non-Responder“, bei denen ein Medikament entweder keine Wirkung zeigt oder mit Nebenwirkungen einher geht.8

Ineffektivität bei verschiedenen Therapien

Ein Beispiel aus der Krebstherapie macht dies deutlich: 75% aller Krebspatienten werden in die zweite Kategorie eingeteilt, was bedeutet, dass diese Menschen auf die verabreichten Medikamente nicht ansprechen.8 Dies hat zur Folge, dass durch die wirkungslosen Medikamente wertvolle Zeit verloren geht, in der der Krebs sich weiter ausbreiten kann.8 Durch die auftretenden Nebenwirkungen wird die Lebensqualität der Patienten unnötig beeinträchtigt. Außerdem entstehen dadurch enorme Kosten für das Gesundheitssystem, die eigentlich vermieden werden könnten.8

Krebsforschung

Fortschritte auf molekularer Ebene

In der Krebsforschung wurden auf molekularer Ebene große Fortschritte erzielt. Krebs ist nicht, wie bisher angenommen wurde, eine Erkrankung eines Organes, sondern vielmehr eine Erkrankung des Genoms.9 Diese kommt durch Veränderung eines oder mehrerer Gene zustande.9 Somit ist Krebs nicht gleich Krebs, da der Mensch um die 25.000 Gene hat, von denen nach heutigem Wissensstand um die 300 krebsrelevant sind.9

Personalisierte Medizin in der Krebstherapie

Anteil Krebspatienten, deren Tumore mittels personalisierter Medizin behandelt werden könnten

Standen bis zum Jahr 2000 nur Operation, Bestrahlung und Chemotherapie im Kampf gegen den Krebs zur Verfügung, werden durch die personalisierte Medizin neue Möglichkeiten geschaffen.10 Dies ist vor allem in der heutigen Zeit wichtig. Die negative Seite der bisherigen Krebstherapie ist allgemein bekannt. Durch die Verabreichung von Zytostatika werden nicht nur Krebszellen vernichtet, sondern auch die gesunden Körperzellen angegriffen, was schwerwiegende Folgen mit sich bringt.11 Mittels Präzisionsmedizin werden diese unerwünschten Nebenwirkungen weitgehend vermieden und Krebspatienten werden gezielter behandelt.

Epidemiologie

Sowohl in Deutschland als auch in den USA ist Krebs nach wie vor die zweithäufigste Todesursache.12 Zusätzlich wird die Anzahl derer, die neu an Krebs erkranken von Jahr zu Jahr höher. Dieses Jahr wird damit gerechnet, dass in Deutschland 493.600 neue Krebsfälle hinzukommen, weltweit wird auf 18,1 Millionen geschätzt.13,14 Prognosen sagen voraus, dass dieser Wert bis 2030 auf 21,6 Millionen und bis 2040 auf 29,4 Millionen ansteigt.15,16

Krebsneuerkrankungen in Deutschland und Trend der Krebsneuerkrankungen weltweit

Trend in der Krebsbehandlung

Krebs: Über 1.100 Medikamente und Impfstoffe in der Entwicklung

Es wird damit gerechnet, dass die Kosten für Onkologika und begleitende Therapien bis 2021 mit 6-9% jährlich ansteigen.17 Dies ist jedoch kein Grund, sich gegen die personalisierte Medizin zu wenden. Arzneimittelmärkte sind hochdynamisch. Und Krebs ist im Moment die Krankheit, für die die meisten Medikamente zugelassen werden.18

 Derzeit befinden sich über 1.100 Medikamente und Impfstoffe in der Entwicklung, davon sind 85% für „First-In-Class“-Therapien, das heißt diese Wirkstoffe verwenden einen neuen und einzigartigen Mechanismus, um die Erkrankung zu bekämpfen.19 Dennoch bleiben die Ausgaben der GKV für Arzneimittel relativ konstant: lag der Wert 1970 bei 17,7%, beläuft sich der Anteil heute auf 17,0%.20

Menschen sind offen für die personalisierte Medizin

Personalisierte Medizin beruht auf „Big Data“, das heißt, dass bereits vorhandene Daten in die Diagnose mit einfließen, um eine sogenannte Stratifizierung von Patienten zu erreichen.1 Es zeigt sich, dass Menschen offen sind für diese neue Therapieform.21 Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung PwC sind sieben von zehn Menschen in Deutschland bereit, ihre persönlichen Krankheitsdaten zur Verfügung zu stellen, wenn sich dadurch bessere Therapiemöglichkeiten ergeben.21

Umfrage zur personalisierten Medizin

62 Medikamente wurden bisher zugelassen

Herz aus Pillen

Der Trend geht in Richtung personalisierte Medizin. Weltweit befinden sich 631 Moleküle in der späten klinischen Entwicklung der pharmazeutischen Industrie.17 Davon sind 90% für die zielgerichtete Therapie.17 Bisher wurden 62 Medikamente für die personalisierte Medizin zugelassen – bei 53 wird ein diagnostischer Test vorgeschrieben, bei neun empfohlen.1

Um die bestmögliche Therapie zu erreichen, stehen somit, neben der bisher durchgeführten Krankheitsdiagnose unter Berücksichtigung der Charakteristika eines Patienten, das Werkzeug der modernen Diagnostik zur Verfügung. Damit ist es möglich, genetische Besonderheiten für eine zielgerichtete Therapie zu entschlüsseln.

 

Ansprechpartner:

Kristina Schraml (kristina.schraml@biovariance.com)

Quellen